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Aktualisierung 10.10.2009
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Am 6. September 2009 starteten Gerd
Willkommen, Vorsitzender Courage e.V., und Peter Heinz,
Courage-Mitglied, wie immer auf eigene Kosten, zu einer zweiwöchigen
Reise nach Vietnam und dieses Mal auch nach Kambodscha. Reisegrund war
die Besichtigung der Projekte in inzwischen 6 verschiedenen Gemeinden
in der Provinz Hue sowie des Projekts in Kampong Cham, das von Buddhism
and Society Development Ass0ciation, kurz BSDA, als Kooperationspartner
geführt wird. Die Organisation in Vietnam lag wie immer in den Händen
unserer Vertreterin vor Ort.
Jeden Vormittag wurden 4 – 5 Frauen aufgesucht. Alle Frauen wohnen so weit weg von jeglicher Infrastruktur, dass sie nur mit dem Moped und unter der Führung Ortskundiger zu erreichen waren. Mit dem Moped durch den chaotischen Verkehr in Hue zu fahren, war insbesondere für Peter Heinz eine Herausforderung, die ihm oft die Haare zu Berge stehen ließ. Daneben fanden Treffen mit dem Abteilungsleiter internationale Verbindung der Provinzregierung, Mr. Nguyen, und den Vertreterinnen der Frauenunion in den sechs Gemeinden statt. Mit einem Jahresbudget von rund 12.000 € (Ausgaben für Reisen werden privat bezahlt, sind aber hier mit eingerechnet!) sind wir die kleinste NGO in der Provinz, deren Arbeit nichtsdestoweniger allseitige Anerkennung findet. Nach Abschluss der Arbeiten in Hue flogen wir am 16.9. nach Saigon und reisten weiter mit leichtem Gepäck nach Norden an die Grenze zu Kambodscha, die wir nach zweistündiger Taxifahrt erreichten. Im Abfertigungsgebäude übergaben wir unsere Pässe zwei höchst offiziell aussehenden Männern in blauer Uniform. Sie füllten für uns die Formblätter aus und ließen uns unterschreiben. Erst als sie Geld für das Ausfüllen verlangte, erkannten wir, dass wir windigen Gesellen in die Hände geraten waren, die sich unsere Unerfahrenheit zu Nutze gemacht hatten. Nun gut, wir zahlten den Obolus und ärgerten uns weniger über die 2 € als vielmehr über die Dreistigkeit. Nur ein paar Schritte weiter begann die offizielle Prozedur. Auf der kambodschanischen Seite erwartete uns Mr. Vandong, der leitende Mönch von BSDA. Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg zeigten uns die Fahrer, wie man in Kambodscha fährt. Mit guten 100 km/h und stets hupend rasten sie auf gut asphaltierten Straßen durch die langgezogen Dörfer. Besonders die Rückfahrt hat unsere höfliche Akzeptanz zu diesem Fahrstil einer harten Prüfung unterzogen. Es war nationaler Feiertag und der Kraftfahrer wollte so schnell wie möglich zurück zu seiner Familie! Wir erreichten HCMC viel früher als geplant und konnten uns ausreichend auf den Abendflug nach Hause vorbereiten. Die Ergebnisse in Vietnam sind vielversprechend. In allen Dörfern hat die Anzahl der zur Mast anstehenden Tiere zugenommen. Die Frauen haben mehr Erfahrung in der Futteraufbereitung. Es hängt viel davon ab, ob die Frauen ausreichend Futter beschaffen können. Unter günstigen Bedingungen wachsen die Ferkel schneller und es können vier Mal im Jahr ihre Tiere verkauft werden. Anhand von Binh Thanh wird deutlich, welche qualitative Entwicklung die Projekte genommen haben. Es ist deutlich zu spüren, dass sich die Erfolge herumgesprochen haben und die Frauen ihre Chance nutzen wollen. Offenbar ist auch die enge Zusammenarbeit von Frauenunion und unsere Vertreterin eine der Grundlagen erfolgreicher Arbeit. Selbst der Gemeindevorstand in Quang Thai, wo wegen des schlechten Wetters zu Beginn viele Ferkel starben, ist inzwischen vom Erfolg beeindruckt, weil mehrere tüchtige Frauen mit ihren Muttersauen Furore machten und verhältnismäßig gutes Geld verdienen. Er hat eine Zusammenkunft organisiert und die erfolgreichen Frauen legten ihre Erfahrungen dar. Es gibt auch eine Solidarität der Frauen untereinander. Frau Thuy, die zwei Muttersauen im Stall hat, verschenkte sieben Ferkel an eine ebenfalls arme Familie. Die Anzahl der geborenen Ferkel war zu groß und das zur Verfügung stehende Futter reichte nicht für alle. In Huong Tho haben die Frauen vom ersten Verkauf Geld gespendet. Am Ende erhielten drei weitere Frauen Ferkel. Die Gemeinde Binh Thanh fragte im Februar 2008 in einem offenen Brief um Unterstützung an. (Siehe Anhang!) Mit unserer Zustimmung arbeitete unsere Vertreterin alle alleinstehenden Frauen auf der „Armutsliste“ der Gemeinde ab und wählte 15 von Ihnen aus. Des Vorstanden bestätigte die Auswahl und im März 2009 begann die Ausbildung. Danach bauten die Frauen die Ställe und Ende des Monats erhielten sie ihre Ferkel. Inzwischen haben sie bereits zwei Mal ihre groß gezogenen Schweine verkauft und Ferkel neu eingestellt. Einige haben mehr Ferkel gekauft, einige eine Muttersau eingestellt. Für den Autor war die Begegnung mit Binh Thanh deshalb bewegend, weil er 2003 die Kampfmittelräumung in genau dieser Gemeinde mit einem vierwöchigen Survey vorbereitet hatte.![]() Beispiel Frau Truong Thi Gai 51 Jahre alt, keine Kinder, ein Junge
starb als Kind.
Beispiel
Frau Nguyen Thi Nguyet 66 Jahre alt, Keine Kinder. Sie meinte sie
dafür wäre nicht attraktiv genug gewesen. Sie war gegen Ende des
Vietnamkrieges schon über dreißig Jahre alt. Über ihre Kriegserlebnisse
mochte sie überhaupt nicht sprechen. Die Gegend um Binh Thanh war 1968
Kriegsschauplatz zwischen regulären Einheiten der Vietnamesischen
Volksarmee und den US-Streitkräften. Nach dem Krieg gehörte die
Gemeinde zum besonderen Territorium, das mit mehr oder weniger
Freiwilligen aus Südvietnam wiederbesiedelt wurde. Der Autor selbst hat
die Kampfmittelräumung im heutigen Dorf Binh Thanh durch eine deutsche
NGO vorbereitet. Man kann nur vermuten, welchem Schicksal sie
ausgesetzt war.
Beispiel
Frau Cao Thi Loc Sie hat 5 Kinder (22, 16, 14,
10 und 2 Jahre). Die Väter waren Bauarbeiter, die nur kurze Zeit da
waren und dann verschwanden. Da Alimentenzahlungen kaum durchsetzbar
sind, musste sie alleine für ihre Kinder sorgen.
Beispiel
Le Thi Hien Sie ist 42 Jahre alt und hat
einen 16 jährigen Sohn, der dieses Jahr die Schule beenden
wird.
Beispiel
Nguyen Thi Kim Duyon Sie ist 28 Jahre alt und hat
eine Tochter aus einer Ehe nach vietnamesischer traditioneller Art
geschlossen wurde. Von beiden Elternpaaren wurde die Beziehung
abgesprochen und durchgesetzt. Traditionell zieht die Braut in das Haus
der Schwiegereltern ein und muss sich der Schwiegermutter unterordnen.
Bereits während der Schwangerschaft hat sich der Ehemann abgesetzt und
ist zu einer anderen Frau gezogen. Das hieß auch, das sie aus dem Haus
gewiesen wurde. Als Frau mit Kind hat sie auf dem Land kaum eine Chance
eine neue Ehe eingehen zu können. Sie musste wie andere auch alleine
für sich und das inzwischen 6jährige Mädchen sorgen. Ansprüche kann sie
keine geltend machen, weil es keine staatlich anerkannte Ehe war.
Beispiel
Frau Thuy aus Quang Thai Wie alle anderen hat Frau Thuy mit drei Ferkeln angefangen. Nun hat sie zwei Muttersauen und augenblicklich 10 Ferkel im Stall. Sie hat ein Teil des Erlöses in Tabak-Pflanzen investiert. Den kargen Sandboden ihres Gartens hat sie mit Gülle gedüngt und gute Ergebnisse erzielt. Den geernteten Tabak hat sie zum Fermentieren eingepackt. Zum Jahresende wird sie ihn schneiden, in Hülsen stopfen und die Zigaretten verkaufen.
Zusammenfassung
zu Vietnam 1. Unsere Projektidee ist simpel. „Courage e.V.“ übergibt an jede Frau als Anschub für dauerhafte Einkünfte, drei Ferkel; bezahlt das Material für den Schweinestall und finanziert eine auf das intellektuelle Niveau zugeschnittene Ausbildung. Die durchschnittlichen Aufwendungen für eine Frau betragen, inklusive des zur Verfügung gestellten Kraftfutters für die Übergangszeit der Ferkel von der Zuchtstation zu Aufzucht bei den Frauen, ca. 250 €. Eine der Grundbedingungen für die Aufnahme in das Projekt ist die Möglichkeit Futtermittel im eigenen Garten anzubauen oder anderweitig kostenlos zu beschaffen. 2. Je nachdem wie viele Mal pro Jahr die Frauen die Ferkel großziehen und verkaufen können, beträgt der reine Gewinn zwischen 600 € und 1.000 €, d.h. diese Frauen haben die Armutsgrenze von 1$ pro Tag bzw.350 $ pro Jahr um zwei bzw. drei Mal überschritten. Zunehmend entwickeln die Frauen Eigeninitiative und erweitern ihre Verdienstmöglichkeiten, in dem sie mehr Ferkel einstellen oder sie erzielen durch den Anbau von Tabak, der auf den mit Gülle gedüngten sandigen Böden möglich geworden ist, zusätzliche Einkünfte. 3. Es wird vorgeschlagen: Frauen, die mehr als fünf Ferkel haben, sollen mit Biogas-Anlagen ausgerüstet werden, was einen bedeutsamen Schritt in Bezug den Erhalt einer intakten Umwelt darstellt. Es wird damit die Boden- und Wasserverschmutzung vermieden, aber auch eine neue Qualität in der Energiebereitstellung erreicht. Bislang kochen alle Frauen mit Holz in einer Hausecke. Eine Anlage kostet ca. 250 € kosten. 4. Der vietnamesische Staat stellt jedem Haushalt 20.000.000 VND (~ 800 €) zum Bau eines steinernen Hauses zur Verfügung. Den Rest muss jeder selbst finanzieren. Einige der Projektfrauen haben, wenn sie lange genug im Projekt sind, Geld zurückgelegt. Andere besorgen sich Kredit, den sie von der Frauenunion erhalten und den sie mit Hilfe der Schweinezucht zurückzahlen können. Ergebnisse
in Kampong Cham Seit 2008 gibt es einen
Kooperationsvertrag mit BSDA (Buddhism and Society Development
Association). BSDA übernahm das Konzept von Courage e.V. Es ist ein
ausgegliederter Teil von Courage e.V., der sich mit Kambodscha befasst.
Ein Courage Mitglied ist alleinig für die finanzielle Ausstattung
verantwortlich. Der Vorstand von Courage e.V. stellt lediglich die
Spendenquittung aus und rechnet die Ausgaben entsprechend der deutschen
Rechtsprechung gegenüber dem Finanzamt Darmstadt ab. Beispiel
Frau Ben Nary Sie hat keine Kinder. Ihr
Ehemann hat sie vor 16 Jahren verlassen. Zwei ihrer Brüder leben in
ihrem Haus. Wir wollten wissen, wie sie das Projekt beurteilt. Da sie
50% des Futters aus dem Garten nehmen kann und die anderen 50% auf dem
Markt kaufen muss, lohne sich der hohe Aufwand nicht. Da wären Kühe
besser. Aller zwei Jahre hätte sie dann 500$ für das Kalb und brauche
sich sonst kaum um das Futter kümmern.
Beispiel
Frau IN Vanna Sie ist 52 Jahre alt und hat
fünf Kinder von verschiedenen Vätern. Auf ihrem Anwesen war ihre
führende Hand erkennbar. Nach ihrer Aussage kauft sie 80% des Futters
für die Schweine auf dem Markt. Unter diesen Umständen würde sich
Schweinezucht nicht lohnen. Gleichzeitig bekannte sie aber, dass sie
nicht wüsste, woraus und wie man Schweinefutter zubereiten könne. Sie
wünsche sich stattdessen Hühner.
Zwei weitere Frauen, die wir besucht haben, teilen das gleiche Schicksal. Sie sind sehr arm, alleinstehend und haben für drei bzw. fünf Kinder zu sorgen. Auch sie plädierten wegen des geringeren Aufwandes für Kühe. Zusammenfassung
zu Kambodscha Am Ende fand eine Auswertung mit dem Team von BSDA und den Courage-Gästen statt. 1. Signifikante Unterschiede zu Vietnam sind nicht zu übersehen. Der Mönch Vandong hob in diesem Zusammenhang hervor, dass die Vietnamesen für ihren Fleiß und Geschäftssinn in Südostasien bekannt seien.
2. Wenn die Frauen nicht in der Lage sind, selbst für Futter zu sorgen, reduziert sich der Gewinn erheblich. Offenbar wurde beim Training unzureichender Wert auf die Futterbereitstellung und Vorbereitung gelegt. In allen Gärten, die wir gesehen haben, standen Bananenstauden. Deren Stamm kann gehäckselt werden. Durch Kochen wird das Schweinefutter aufbereitet. Das ist in den besichtigten Anwesen möglich. 3. Es bleibt BSDA überlassen, ob das Geld für den Kauf von Kühen oder Küken eingesetzt wird, wenn die Prinzipien für Gemeinnützigkeit eingehalten werden. 4. Mr. Vandong würde gerne eine Person zu Studienzwecken nach Vietnam schicken, um dem eigenen Projekt voranzuhelfen. Dem ist aus meiner Sicht zuzustimmen. Gerd Willkommen Erzhausen, am 28.09.2009 Vorsitzender Courage e.V. Anhang (offener Brief der Gemeinde Binh Thanh):
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